Alois hat mich heute auf einen Artikel in der Lausitzer Rundschau aufmerksam gemacht.
Abgebrochener Rotorflügel segelt über Landesstraße
Kurz nach Mitternacht muss es gestern heftig gekracht haben, als von einer der fünf Windkraftanlagen an der Ortsverbindungsstraße der B 183 nach Wahrenbrück (Elbe-Elster) ein Rotorflügel abbrach. Gut 150 bis 200 Meter entfernt sind die Flügelteile über die Straße hinweg gesegelt und verstreut in einem benachbarten Getreidefeld aufgeschlagen. Über die Ursache des Unglücks rätseln die Fachleute. Manche halten eine Windhose für möglich, die in diesem Bereich in unmittelbarer Nähe der Kurstadt Bad Liebenwerda durchgezogen sein könnte. Servicemonteure hätten im Maschinenraum, der sich in der Nabe des Windrades in 108 Metern Höhe befindet, von einem Aufzeichnungsgerät eine Windgeschwindigkeit von 30 Metern pro Sekunde zu diesem Zeitpunkt ablesen können. Zum Vergleich: Am Morgen gegen acht Uhr sei der Wind nur noch sieben bis acht Meter pro Sekunde stark gewesen, hieß es.
Baumkrone abgeknickt
In unmittelbarer Nähe des Unglücksortes wurde auch eine abgeknickte Baumkrone entdeckt, weitere Schäden sind bislang allerdings nicht bekannt. Sollte eine Windhose wirklich Ursache gewesen sein, wirft das Fragen zur Betriebssicherheit solcher Anlagen auf. Zumal Klimaforscher damit rechnen, dass die Zahl heftiger Stürme steigt. Vermutet wird daher auch, dass der 40 Meter lange Flügel abgebrochen sein könnte, weil «Kyrill» ihn schon angeknackst hatte. Der Orkan hatte im Januar besonders hartnäckig bei Bad Liebenwerda und im Raum Hohenleipisch/Plessa gewütet und dabei schwere Verwüstungen hinterlassen.
Gutachter sollen nun klären, was das Unglück tatsächlich ausgelöst hat. Fest steht jedenfalls, dass die Rotorblätter der betroffenen Anlage im Jahr 2003 in Betrieb gegangen sind. Sie wurden vom dänischen Windkraftunternehmen NEG Micon vermutlich in England oder Dänemark gebaut. Im Jahr 2004 kaufte die dänische Vestas Wind Systems A/S den Konkurrenten NEG Micon. Inzwischen werden große Teile der NEG Micon-Anlagen hierzulande von Servicemonteuren des Windenergieanlagenbauers Vestas Blades Deutschland GmbH mit Sitz in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) betreut. Deshalb war ein Vestas-Team in der Nähe des Ortes Lausitz schnell zur Stelle, nachdem es von der Leitstelle der Vestas Deutschland-Zentrale in Husum alarmiert worden war.
Nähere Angaben zur Havarie konnte Vestas-Deutschland-Pressesprecher Andreas Eichler auf RUNDSCHAU-Nachfrage allerdings noch nicht machen. Er erklärte aber, dass jetzt zunächst eine genaue Untersuchung des Hergangs stattfinden werde. Frühestens Ende dieser oder Anfang nächster Woche werde es erste Erkenntnisse geben. Jetzt würden im Auftrage von Versicherungen zudem Gutachter ihre Arbeit aufnehmen, sagte Eichler.
Unfälle an Windkraftanlagen hat es auch in zurückliegenden Jahren gegeben. Nach RUNDSCHAU-Recherchen waren die meisten auf Material- oder Ermüdungsfehler zurückzuführen. Bei zu starken Stürmen werden die Windkraftanlagen angehalten und in entsprechende Sicherheitspositionen gestellt.Anlage 60 Meter von Straße entfernt
Die Menschen in der Region reagierten geschockt. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht von der Havarie verbreitet. «Nicht auszudenken, wenn da gerade ein Auto vorbei gefahren wäre» , sagte Dieter König aus Bad Liebenwerda und ergänzte: «Ich habe immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich so dicht an den Anlagen vorbei muss.» Die Energieerzeuger befinden sich in diesem Bereich nicht einmal 60 Meter von der Straße entfernt.
Im Bad Liebenwerdaer Rathaus wollte Stadtplaner Peter Lange, der die Ansiedlung der Windkraftanlagen begleitet hatte, zunächst nicht glauben, was ihm die Leitstelle da am Morgen meldete. Er sieht nun das Landesumweltamt als Genehmigungsbehörde in der Pflicht. Dort müsse überdacht werden, ob alle Standorte im Havariefall auch wirklich ungefährlich für die Bevölkerung seien.
Im Vorjahr sei an den gleichen Anlagen bereits eine Abdeckung einer Nabe nach unten gestürzt, erinnert sich Peter Lange. «Und das Teil war auch fast zwei Meter groß.»
Hier noch der Ort des Geschehens. Das rote Symbol kennzeichnet den Standort der Windräder.
Darüber sollten wir wieder einmal nachdenken.
Im Meller Ortsteil Westendorf brannte am Neujahrstag (01.01.2007) die Gondel einer Windkraftanlage. Durch einen Blitzeinschlag war die Windkraftanlage in Brand geraten. …